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Die Veröffentlichung des Albums von Pastor Leumund – Konzentriert euch ist jetzt fast genau drei Jahre her, nun legt der Pastor mit vier frischen Mixen nach: Konzentriert euch Remixe. Den Track “Das Problem mit der Zeit” feat. Bernadette La Hengst hat sich LP-Partner MITTEKILL nochmal vorgenommen und etwas bouncig-flockiger gemacht, hämmert aber trotzdem auf alle E-Birnen. Nennt man das Tech-House? Das animierte Video dazu hat der Pastor unter Mithilfe von 25 Schiebe-Postkarten mit Standbildern aus den Videos selbst zusammengeschraubt.

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Den Pastor-Klassiker “Was du willst, schmilzt” wurde von Rummels-Resident Niklaus Kazorke remixt, und passt nun bestens in jedes Sonntag-Nachmittag-Set in der Rummelsbucht, im Sisyphos oder im Kater.

Hinterm Gartenzaun gehts weiter” wurde von M.RUX aufgehübscht. Ich sehe schon, wie das in der Spelunke auf der Nation of Gondwana läuft. Mentalverschiebung gegen Zentralverriegelung!

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Zum Schluss hat sich auch noch Patric Catani, den man auch als Ill Till aus der Dirt6Crew kennt, das Stück “Druckwellensittiche” zur Brust genommen. Er macht daraus ein spannungsgeladenes Endzeit-Game, zu dem die Rants des Pastors (oder die Predigt?) sehr gut passen. Top!

Die Digital-EP könnt Ihr auf des Pastors Bandcamp-Seite kaufen: https://pastorleumund.bandcamp.com/album/konzentriert-euch-remixe

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Der Gitarrenbauer Anthony Coscia aus Sandy Hook in Connecticut hat die Corona-Zeit genutzt, um sich einen Traum zu erfüllen: Er hat das berühmte PA-Soundsystem der Grateful Dead, die Wall of Sound, im Modell 1:6 nachgebaut. Auf seiner Facebook-Seite Petite Mur De Son – Mini Wall of Sound konnte man den Entstehungsprozess über Monate mitverfolgen, nun ist sie fertig geworden! Und das beste daran: Sie ist voll funktionsfähig!

Die Bühne ist im Modell etwa drei Meter breit, die Lautsprecher türmen sich ungefähr zwei Meter hoch. Anthony hat 390 Lautsprecher verbaut und einzeln verkabelt. So kommt er auf eine Leistung von 800 Watt, die er mit mit der interessanten Technik von Class-D-Verstärkermodulen antreibt.

Detailgetreu

Vor allem die Detailtreue fasziniert: die Gerüste, die Racks mit den Macintosh-Verstärkern, aber vor allem der gebogene charakteristische Cluster in der Mitte (Line Array), über den der Gesang wiedergegeben wurde. Man achte auch auf die Doppel-Mikrophone, die benötigt wurden, um Rückkopplungen zu vermeiden.

Anthony möchte das Modell für einen guten Zweck irgendwo hinstellen, wo Menschen Zugang haben, in ein Museum, an einen Veranstaltungsort oder ähnliches. Zudem hat er eine Spendensammlung für HeadCount organisiert, die versucht, Wähler in den USA mithilfe von Musik zu rekrutieren. Die Dead-Familie hat sich dort auch schon engagiert. Ein unbekannter Spender hat bereits 100.000 $ in den Topf gelegt (!).

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Grateful Deads Wall of Sound gilt als der Heilige Gral der Konzertbeschallung. Diese PA wurde exklusiv für Grateful Dead konzipiert und zusammengelötet und war von 1974-1976 im Einsatz. Die Idee entstand als Reaktion auf den oft schlechten Sound in den Konzerthallen, in denen Grateful Dead spielte. Ein weiterer Grund: Auf LSD hörst du alles noch besser. Drogen- und Soundmastermind Owsley Stanley (“Bear“) hatte die Vision und setze sie um.

I evolved things like the Wall of Sound, where everything had a single source. There were no distributed sources. There were single rows of speakers for instruments; there was a single cluster for the vocals; and a single cluster for the piano. Everything had a point source, or a line source. And it was totally coherent. You could go back hundreds of feet and it was clean and coherent – it didn’t sound like a giant transistor radio.

The Wall of Sound system was a result of my desire to return all the power and control to the musicians, by putting the speakers behind them. Everything that went to the audience they (the band) were fully aware of because they were imbedded in that sound-field.

Owlsley Stanley

Grateful Deads langjähriger Soundingenieur Dan Healy beschreibt es in einem Interview so:

“The Wall of Sound was a turning point in the entire world of sound reinforcement,” Healy admitted. “By end of the ’60s, myself and others like me had hot-rodded it and milked every nuance out of [existing P.A. systems] … We had to move to a whole new concept, scrap everything and start over. That was the purpose of the Wall of Sound. And while it in itself wasn’t that successful, the endeavor, the goal of it was completely successful: completely rethinking and revamping the entire approach to sound reinforcement.”

Dan Healey, Interview Pollstar, März 2020

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Techniker ausgelaugt

Die Wall of Sound war die erste große PA mit Line Array-Technik. Es wurden drei Trucks zum Transport benötigt, 15 Leute, um die Anlage aufzubauen; und das war einem Tag kaum zu schaffen. Dazu kam leider eine gewisse Anfälligkeit, sodass viel Zeit in Reparatur und Pflege investiert werden musste. Die Roadies und Techniker waren nach kurzer Zeit ausgelaugt. Der Aufwand war einfach zu groß.

Ich stelle mir vor, dass die Wall of Sound gar nicht soo laut war (wie heute eine PA bei den meisten Konzerten), dabei aber sehr voluminös, akzentuiert und klar. Das war mir auch beim meinen Grateful Dead-Konzerten aufgefallen, die ich miterleben durfte.

Die Wall of Sound erklang das erste Mal am 23.03.1974 im Cow Palace in San Franzisko, also fast genau vor 47 Jahren.

Hier ein Mitschnitt: https://archive.org/details/gd1974-03-23.sbd.clugston-orf.1995.sbeok.shnf/gd74-3-23Newd1t02.shn

Im Grateful Dead Movie ist die Wall of Sound im Einsatz zu sehen.

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Für Berliner*innen ist es immer wieder schön, sich ihre Stadt auf Google Street View anzuschauen: Man kann viel entdecken was es nicht mehr gibt, denn die Bilder sind über 10 Jahre alt. Außerdem ist das Kamera-Auto damals im Sommer rumgefahren, also top Atmo. Die Bilder strahlen eine gewisse Ruhe aus, die Zeit scheint still geblieben zu sein. Viele hässliche Neubauten stehen noch nicht, einige gierige Projekte sind noch nicht realisiert, die Sommersonne strahlt. Gemütlich, lebendig und unaufgeräumt wirkt die Stadt: Es wurden damals einfach noch viele Ecken in Ruhe gelassen.

2008 scannte Google nur die 20 größten Städte Deutschlands – und seitdem nur einmal. Deswegen ist Deutschland auf der Street View Karte praktisch ein weißer Fleck – ebenso wie Bosnien Herzigowina, Serbien und Moldawien. Zudem wurden die Bilder seitdem nicht mehr aktualisiert. Denn ein deutscher datenschutzrechtlicher Sonderweg gab jedem Bürger*in das Recht, seine Adresse (Haus) von Google unkenntlich machen zu lassen.

Ein Riesenaufwand für Google, so entschloss man sich, nur die großen Städte zu “grabben”. Der Tech-Konzern war leicht angefressen, weil die Arbeit des Verpixelns nur durch zusätzliche 200 Menschen geschafft werden konnte, die nicht eingeplant waren und extra angestellt werden mussten. Gewinne, Gewinne, Gewinne!
Google schien vertrieben, besonders nachdem die Kreuzberger*innen den “Google Campus” verhindern konnten (TAZ-Artikel). Das waren zwei Niederlagen für den Weltkonzern und man muss sagen, das hat Berlin wirklich nicht geschadet.

Wieder Autos unterwegs

Allerdings wurden letztens wieder Autos von Google Street View in Berlin und Strausberg gesichtet, und wie man lesen kann, fahren sie gerade nicht nur in Berlin rum, sondern in ganz Deutschland: Liste der Einsätze von Google Street View

Nach Auskunft von Google will man allerdings nur die Verkehrsnavigation verbessen und Straßenverläufe und Straßennamen scannen.

… Um dies zu schaffen müssen wir sicher gehen, die richtigen Straßennamen, Straßenschilder, Streckenführungen und Informationen über Geschäfte und andere Orte, die für euch von Interesse sind, zu verwenden. Deswegen werden wir ab dem 29. Juni 2020 die Fahrten durch weite Teile Deutschlands wieder aufnehmen.

Google

Skepsis ist angebracht

Google duzt seine Nutzer*innen zwar noch, hat aber den sympathischen Grundsatz “Don’t be evil” aus dem Unternehmens-Verhaltenskodex 2018 herausgestrichen. Heißt: Business vor Business vor Business.
Für mich persönlich geht es nicht um Street View, es geht darum, diesem mächtigen Konzern seine Grenzen zu zeigen. Und natürlich glaube ich, dass die eingefahrenen Infos erstmal nur für Google Maps und seine Navigation verwendet werden. Aber das Street View-Material ist jetzt nun mal da, und es wird sicher nicht im Müll landen. Warum auch? Seit 2008 hat sich die Situation verändert, die meisten Menschen lassen sich von Techkonzernen inzwischen alternativlos in ihre Daten-Privatspähre blicken. Und wenn die Europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft tritt, entfällt ein deutscher Alleingang wie 2010. Dann wären irische Behörden dafür zuständig (der Europa Hauptsitz von Google befindet sich in Irland), und die sind von Googles Arbeitsplätzen und lokalen Steuerzahlungen abhängig.

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Attwenger veröffentlichen am 14. Mai 2021 ihr neuntes Album mit dem Titel “Drum”. Als Vorgeschmack gibt es jetzt schon die Single “vagismi” (hochdeutsch: Vergiss mich).

Das musikalische Rezept vom Duo Attwenger (Markus Binder – Schlagzeug/Gesang, HP Falkner – Akkordeon) ist Reduktion und Vereinfachung bis hin zum Minimalismus – gepaart mit physischer oberösterreichischer Volksmusik. Das merkt man einerseits an den wie immer kurzen Titeln ihrer Alben und Stücke. Andererseits aber vor allem an den mundartigen Texten und Fragmenten. Und natürlich an der Musik. Und da passt “vagismi” genau rein. Das neue Album “Drum” sei ausgetüftelt, “…bis zu 70 Spuren pro Song, jede davon auf die eine oder andere Weise bearbeitet, die Texte, sofern nicht spontan entstanden, über Monate, teilweise über Jahre zusammengefrickelt. hier ist nichts authentisch, aber alles täuschend echt.”, so Drummer Markus Binder über “Drum“.

Angefangen haben Attwenger als Polka/Landler-Punk-Band vor über 30 Jahren: Da waren sie jung, wild, voller überschüssiger Energie, aber auch heimatverbunden, weil sie die Volksmusik, mit der sie aufgewachsen sind, in ihrer Musik verarbeitet haben. Dazu kam der Rap und der funky Drummer als starker Einfluss. Schlagzeuger und Sänger Markus Binder begann, seine Texte im Sprechgesang auszuspucken.

Elektronische Instrumente

Das Volkstümliche trat in den Hintergrund, dafür bekamen Dekonstruktion und Minimalismus mehr Gewicht. Zwischenzeitlicher Höhepunkt war das 97er-Album “Song” (hochdeutsch “sagen”) mit drei reduzierten 15 Minuten langen Stücken, die den Hörer langsam, aber stetig, wie in einen Strudel hineinziehen. So spielt Quetschenmeister Falkner übrigens auch, wenn er mal den Raum dazu hat, z. B. live.

Im Zuge dieser Entwicklungen kamen dann auch konsequenterweise elektronische Sounds hinzu, wie Sampler oder Drum Computer. HP Falkner “malträtiert” seinen Akkordeon-Sound liebevoll mit Verzerrern und Wah Wah-Pedal. Ich kann empfehlen, das mal live zu erleben. Als ich sie zuletzt auf der Bühne gesehen habe, spielte HP Falkner ein elektronisches Midi-Akkordeon. Das quetschte er sprichwörtlich bis zum letzten Ton aus und gab damit mitreißende, psychedelisch- verzerrte Improvisationen zum Besten.

Trotzdem: Auf jedem Attwenger Album ist mindestens eine Polka zum Rumhotten. Oder mehr. Ihre Roots vergessen sie nie.

Im Video werden Bilder tanzender Tango Paare mit dem Stück “vagismi” unterlegt: Vor und zurück, wülst mi oda wülst mi net, sogd sie vapiss di i küss di. vamiss di, vagiss mi, kum i küss di, i küss di. Das Video hat auch Markus Binder gedreht, vermutlich ist ihm dort auch der Text in den Sinn gekommen:

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Markus Binder schreibt zum neuen Album:

manche sind ja der meinung, attwenger sei die unnachahmlichste band zwischen linz und übersee, andere wiederum haben noch nie von uns gehört bzw. schon wieder auf uns vergessen. drum haben wir drum gemacht, unser 9. studioalbum, eine überfällige boomer-produktion, 15 neue songs mit allem drum und dran:

trap-slang und country-fiction, kraut- und rübenmusik, mentalitätskritik, dialektgroove, electronica und polkapunk.

drum auch deshalb, weil umstände zur sprache gebracht werden wollten, die nerven. würden sie nicht nerven, wozu dann die musik?

um nicht länger drum herum zu reden: auf diesem album wird darüber gesungen, was er so und sie so sieht, was ein falsches viech ist, dass happiness zum business wurde und alle daumen lang der vater grantig wird, die leute zwar weit sind, aber leider nicht weiter, was alles völlig wurscht sein kann, gefolgt von gereimtem gelaber und songs über den kredit und die schulden. darüber hinaus geht es drum, dass die realität zu real ist, ein wenig weniger sehr gut täte, außerdem um das, was einer von uns mag, was alle, die ich kenne, nicht wissen wollen, um ein traumhaftes drum und dass sich letztlich niemand in die hose zu machen braucht.

drum kann ein trumm, d.h. eines dieser trümmer sein, die plötzlich im weg stehen, womöglich in form einer überdimensionalen rübe, und sei es nur eine virtuelle, aber sei‘s drum. hier ist sowieso alles konstruiert. bis zu 70 spuren pro song, jede davon auf die eine oder andere weise bearbeitet, die texte, sofern nicht spontan entstanden, über monate, teilweise über jahre zusammengefrickelt. hier ist nichts authentisch, aber alles täuschend echt.

Markus Binder

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