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Fulu Miziki: Live-Konzert auf der WOMEX 20

Das musikalische Künstlerkollektiv aus Kinshasa/Kongo Fulu Miziki.

Das Öko-Ethno-Punk-Kunstkollektiv Fulu Miziki aus Kinshasa kann man am Samstag, dem 24.10.2020 live am Bildschirm bei einem Online-Konzert auf der WOMEX 20 erleben.


Fulu Miziki aus Kinshasa/Kongo haben ihren eigenen Stil gefunden: Alle Kostüme und (Schlag-)Instrumente, auf denen sie spielen, bastelten sie aus Müll. Mit ihren YouTube-Videos haben sie viel Zuspruch und Aufmerksamkeit im Netz bekommen. Zu Recht! Hipster im besten – herkömmlichen – Sinne.

Denn mit ihrer Punk-Attitüde zeigen sie, dass man nicht viel braucht, um sich künstlerisch auszudrücken. Einfach das Zeug benutzen, was rumliegt und niemand mehr braucht, sprich: Müll. Die Kostüme sind spektakulär und schön, die Instrumente bestechen einerseits durch ihre Einfachheit, andererseits durch ihren eigenen Klang. So kreieren Fulu Miziki eine vielschichtige Rhythmik, über die die Frontfrau Aicha Mena Kanieba ihren Gesang legt. Leider noch nicht auf Tonträger, aber auf YouTube haben sie inzwischen einiges hochgeladen. Ich bin jetzt schon ein Fan!!

Für das Konzert muss man sich registrieren und einen Pass für 79€ kaufen. Dafür kann man sich das volle Programm bzw. Konzerte geben, auch bei den zukünftigen Messen. Wer für Weltmusik brennt, sollte es machen. Zudem dort auch die Philophon-Band Alogte Oho & his Sounds Of Joy (Ghana) spielt.

Die WOMEX – Worldwide Music Expo – gibt es seit 25 Jahren. Sie ist eine Messe für Weltmusik mit Konzerten, Vorträgen, Workshops und Filmen und wird von den über 2500 Professionellen und ca. 260 Künstlern genutzt, um Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. In diesem Jahr leider nur online.

Fulu Miziki findet ihr im Netz:

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Jussi Kantonen, einer der Protagonisten hinter dem Overfitting Disco-Blog und einer der Top-Cosmic-DJs hat gerade einen neuen Cosmic Mix in seiner Reihe Welt Disco Report vorgelegt: “Die erotischen Geheimnisse der Diskotheken”. Ungeübte Hörer müssen schon etwas Verständnis für diese Musik aufbringen, da sie immer wieder Grenzen überschreitet und ganz unten aus den Plattenkisten ans Tageslicht gefördert wird. Eines muss man sagen: Die Musik ist immer freundlich, immer obskur und sehr oft sehr witzig.

Jussi schreibt:

„Hallo ich bin Jussi und Ich freue mich darauf, allen aufregenden Paaren und alleinstehenden Frauen und Männern Super Hot Hit-Sound Disco-Musik zu spielen. I have the best of Hit-Sound Disco-Music. Por favor, baila con muy poca ropa o completamente desnudo.

— Jussi Kantonen
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The Avalanches - Frontier Psychiatrist

Ich habe ja ein Fable für psychedelische Musik, die aus irgendwelchen Zwischen- oder Traumwelten zu kommen scheint: Ich nenne sie “Psychedelische-Daneben-Musik”. Daher hatte ich vor ein paar Jahren zu diesem Thema auch die drei Tapes “He Needs Me” zusammen gestellt.

Exzessives Sampeln

Ein über 20 Jahre altes Lied, das auch genau hierzu passt, ist “Frontier Psychiatrist” von The Avanlances. Die australische Band veröffentlichte diesen Track im Jahr 2000 auf dem Höhepunkt des Samplings auf ihrem zweiten, sehr erfolgreichem Album “Since I Left You“. Das besteht fast ausschließlich aus hunderten Versatzstücken unterschiedlichster Schallplatten, die sie auf exzessiven Flohmarktbesuchen zusammen gesucht hatten. Zu dieser Zeit war übrigens die Beliebtheit der Vinyl-Schallplatte auf ihrem absoluten Tiefpunkt und überall wurden die Scheiben verramscht.

Das Video führt den Zuschauer in eine merkwürdige Zwischenwelt, die einerseits dadurch erzeugt wird, dass die Macher die Samples wörtlich nehmen und sie mit schrägen Charakteren durchspielen. Andererseits wirkt die Showbühne wie eine reale Metaebene des Irrealen.

Hier noch ein anderes Stück, das ebenfalls dank des Videos vollkommen verstört: Country Death – Tidal Wave Nightmare. Der Track ist auf der Bandcamp-Seite des kalifornischen Künstlers zu finden.

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Rettet den Mäusebunker! Bitte.

Architekturdenkmal Mäusebunker

Der aktuelle Stand jetzt: Der Mäusebunker in Berlin wird erstmal noch nicht abgerissen. Gut so. Aber der Bau ist immer noch kein schützenswertes Architekturdenkmal. Dabei würde es sich lohnen, wie ihr in der Bildergalerie sehen könnt.

Welches ist das hässlichste Gebäude Berlins? Richtig: Der Fassaden-Nachbau des Berliner Stadtschlosses in Mitte. Und nicht das Gebäude der ehemaligen Zentralen Tierlaboratorien der Freien Universität in Berlin Lichterfelde, das Mäusebunker genannt wird, oder “Panzerkreuzer Potemkin”.

Man muss den Mäusebunker schon suchen, er liegt etwas versteckt in einer Nebenstraße zwischen zwei Wohnbebauungen. Der erste Eindruck ist überwältigend, weil er mächtig brutal wie ein Schlachtschiff langsam auftaucht. Da das Gebäude über Jahre nicht gepflegt wurde, ist es durch die Bemoosung sehr dunkel geworden und wirkt dadurch noch massiver. Die Fassade ist extrem reduziert, Flächen werden nur durch zwei Elemente gebrochen: die blauen Belüftungsrohre (Lufteinzug) und die pyramidenförmigen Lichtschachte. Auch nimmt sie das Stealth-Design der Tarnkappentechnik vorweg. Eigentlich voll Techno!

Funktionaler Bau ohne Funktion

Der Mäusebunker, das ehemalige Tierversuchslabor der FU-Berlin, wurde von 1967-1970 vom Architekten Gerd Hänska geplant und nach zwei Bauphasen erst 1981 fertig gestellt. Es ist ein extrem funktionaler Bau, der leider seine Funktion verloren hat. Das ist das Dilemma. Dazu noch Asbest-verseucht. Aber der Mäusebunker ist ein beeindruckendes Denkmal, wie ich heute sehen konnte. Leider war ich nicht im Innern. Denn die Versuchslabore lagen aus Sicherheitsgründen ganz innen zentral im Gebäude. Eine industrielle und technisierte Nutzung von Tieren für Versuche, die dieser Bau repräsentiert, können sich heute immer weniger Menschen vorstellen und gutheißen.

Langsam erkennt man auch in Berlin die Bedeutung der Ära des Brutalismus, so bleibt zu hoffen, dass der Mäusebunker erhalten wird. Letztlich eine Geldfrage. rbb24 schreibt, dass nach Meinung des Berliner Landesdenkmalamtes und des Denkmalrates das Gebäude die Kriterien eines Baudenkmals erfüllt. 

Mein Tipp: Erstmal dort ein paar Technopartys Investorenpartys machen!

Es wurde schon alles geschrieben über den Mäusebunker, ich empfehle den Text auf der Seite der Bürger für Denkmale.

Alle, die auch dieses Gebäude erhalten sehen möchten, sollten die Petition auf change.org unterschreiben. Die Seite #SOS Brutalismus macht auf die weltweite Zerstörung der Bauten dieser bedeutenden Architekturströmung aufmerksam und versucht, die Lobby von Brutalismus-Architektur zu stärken.

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Charlie Keller, Sigmund Jähn-Groupie

Echt oder Fake? Egal. Ein toller Cosmic-Track aus der DDR über den Kosmonauten Sigmund Jähn taucht aus dem Nichts auf.

Die alten ORWO-Tonbänder mit Beschriftung der Aufnahme-Session. Foto: Tapete Records
Die alten DDR-ORWO-Tonbänder mit Beschriftung der Aufnahme-Session.

Bei dem Label Tapete Records lag jahrelang ein ORWO-Tonband mit einer Aufnahme-Session von “Charlie Keller” rum, ohne es jemals angehört zu haben. Es war ihnen bei den “Flohmarkt-Recherchen” für zwei Sampler in die Hände gefallen.

Sexy Kosmonauten-Groupie

Darauf befand sich auch ein extrem laszives Loblied auf den “Held der Sowjetunion” und “Held der DDR” Sigmund Jähn. Allerdings war über die Sängerin nichts bekannt, so startete Tapete Records einen Aufruf.

Daraufhin gingen Hinweise ein, die ein interessantes deutsch-deutsches Schicksal der Sängerin zeigen: Charlie Keller soll ein Künstlername sein, der echte Name ist nicht bekannt. Sie soll als überzeugte Kommunistin freiwillig von der BRD in die DDR übergesiedelt sein. Dort konnte sie an der Hanns-Eisler-Musikschule in Ost-Berlin studieren, wurde aber wohl nie warm mit den Strukturen in der DDR. Daraufhin wurde sie in den 80ern ausgebürgert und ging zurück nach Westdeutschland. Seitdem verlieren sich die Spuren.
Hmm.

Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein, aber daran zu glauben macht mehr Spaß. Sie klingt zwar nicht ganz so abwegig, wie beispielsweise die von Bronco “Babyman” Babic. Oder die Hitler-Tagebücher. Zweifel bleiben.
Auch die Taz glaubt die Geschichte nicht.

Aber lest selbst diese Geschichte über Charlie Keller beim Label.

Jedenfalls wurde das Stück “Ich, Sigmund Jähn” restauriert und ist nun digital als Download bei Bandcamp erhältlich. Sogar ein Foto, das die Sängerin zeigen soll, kam mit den Hinweisen ans Tageslicht.

Das nun veröffentlichte Lied “Ich, Sigmund Jähn” hat den typischen wattegehüllten, fetten Stillstand-Endsiebziger-Sound. Mehr Cosmic-Sound geht nicht! Und Kosmos! Und DDR! Meine Güte.

Die einmalige Chance eine hübsche, talentierte und vor allem westliche Kommunistin ins popkulturelle Schaufenster zu stellen wollte man sich im Kalten Krieg wohl nicht nehmen lassen. Pate hierfür dürfte der Erfolg des „Roten Cowboys“ Dean Reed gestanden haben. Vermutlich da sie ihr Temperament nicht unter Kontrolle hatte wurde es schlussendlich doch nicht gewagt ihre Musik zu veröffentlichen geschweige denn Keller öffentlich auftreten zu lassen. Zudem erschienen Kellers Texte höchstwahrscheinlich selbst für AgitProp-Verhältnisse als zu dick aufgetragen. 

Tapete Records
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Headbanging bei 136 Beats per Minute

Und ärgern, ärgern, ärgern….fuck! fuck! fuck!

Headbanging bei 136 Beats per Minute.
Training von britischen Mädchen, 1941. Quelle: The Gypsy Astronaut/tumblr

Geht’s euch in letzter Zeit auch so, beim Blick in die Kommentare auf Social Media-Seiten, wie Twitter usw.?

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Warm-Up Mix Recht auf Freizeit

Am “Tag der Deutschen Einheit”, am 03.10.2020, wurde in Joe’s Garage auf das Recht auf Freizeit angestoßen. Dabei sorgten die DJs Feindbild, Chris Tschaber und Rolle für das musikalische Rahmenprogramm. Die beiden Warm-Up-Sets von Tschaber und Feindbild sind jetzt online. Angenehmer Sound!

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1974: West-Berliner Weltstadt-Cocktails

Werbeplakat „Wir Berliner servieren Weltstadt-Cocktails“, 1974, Herausgeber: Verkehrsamt Berlin, © Landesarchiv Berlin, F Rep 260-03, A 1710
Werbeplakat „Wir Berliner servieren Weltstadt-Cocktails“, 1974, Herausgeber: Verkehrsamt Berlin, © Landesarchiv Berlin, F Rep 260-03, A 1710

Neben der bekannten Ostalgie gibt es auch den Begriff der Berliner “Westalgie”. Bestes Beispiel: dieses “freche”, aber sexistische Werbesujet der Stadt West-Berlin.

Für Kultur, Vergnügen und das Feiern ohne Sperrstunde war Berlin schon in den 20er Jahren weltbekannt. Diesen Mythos wollte West-Berlin in den lähmenden Mauerjahren der 70er wieder beleben und mehr Menschen auf die “Insel im roten Meer” locken. Der politische Status von Berlin war gerade einigermaßen stabil, auch das Reisen nach Berlin war geregelt, allerdings nervig, und für Touristen, die mit dem Feindbild UdSSR aufgewachsen sind, psychologisch schwierig. Das Verkehrsamt Berlin ging deshalb 1974 mit einer Plakat-Kampagne an die Öffentlichkeit.

Das Plakat transportiert u. a. das Bild von der “Insel der Freiheit” – alles geht, feiern rund um die Uhr – zudem sollten die dargestellten, unterschiedlichen Typen die Offenheit und Vielfalt Berlins verkörpern. Alle Stärken der Stadt versammelte man auf einem Bild: Kultur, Party, Musik, Shopping und Prostitution Spaß.

Wie man sieht: Alle sind am Saufen!

Julia M. Novak und Thomas Beutelschmid formulieren es in einem Beitrag über die Ausstellung West:Berlin (2015), in der dieses Plakat hing, folgend:

Zum anderen ermöglichten die immensen Subventionen und relativ geringe ökonomische Zwänge, aber auch die aufgehobene Sperrstunde oder der fehlende Wehrdienst eine außergewöhnliche metropolitane Liberalität. Dieses Alleinstellungsmerkmal sorgte für eine starke Ausstrahlungskraft, machte die isolierte Teilstadt für Arbeitnehmer, Studenten, (Lebens-)Künstler und Touristen so attraktiv und erlaubte letztlich auch einer Außerparlamentarischen Opposition oder den späteren Alternativbewegungen öffentliche und private Freiräume für die individuelle und kollektive Selbstverwirklichung.

WEST:BERLIN – EINE INSEL AUF DER SUCHE NACH FESTLAND

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Herzliche Grüße aus dem Risikogebiet Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg
Herzliche Grüße aus dem Risikogebiet Berlin-Neukölln
Herzliche Grüße aus dem Risikogebiet Berlin-Neukölln

Jetzt endlich zu haben: Postkarten aus den drei schlimmsten Berliner Corona-Risikogebieten Friedrichshain, Neukölln und Mitte. Nette Grüße via Ansichtskarte aus der Quarantäne für die Restrepublik, insbesondere Bayern, sind jetzt problemlos möglich. Und man muss das Haus gar nicht verlassen.

Herzliche Grüße aus dem Risikogebiet Berlin-Mitte
Herzliche Grüße aus dem Risikogebiet Berlin-Mitte
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Yusuf – Türkisch Mann

Bild

Diese Decca-Single von 1977 “Blondes Haar/Türkisch Mann” von Yusuf habe ich mir gerade gekauft. Der Hit, der sich als Ohrwurm in die Gehörgänge fräst, ist allerdings auf der B-Seite: “Türkisch Mann”.

Deutsche Realität der 70er Jahre in Vinyl gegossen

In diesem Song bedient Yusuf fast alle Klischees, die über die damals sogn. “Gastarbeiter” aus Südeuropa, insbesondere der Türkei, kursierten. Er gibt damit einen ungeschönten Einblick in die Realität der Arbeitsmigranten (“Gastarbeiter”) im Deutschland der 70er Jahre. Cooler Song!

Zu diesem Thema möchte ich noch das Doppelalbum “Songs Of Gastarbeiter Vol.1” auf Trikont empfehlen: Dort finden sich neben “Türkisch Mann” (+Remix) noch weitere 14 Songs türkischer Arbeitsmigranten in Deutschland. Zusammengestellt wurde das Album von Imran Ayata und dem Münchner Künstler Bülent Kullukcu.

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