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Der Facebook Post von House Masters.

House Masters hat auf Facebook eine Liste mit nahezu allen Stücken (1156!) gepostet, die DJ-Legende Larry Levan jemals in der Kult-Disco Paradise Garage aufgelegt haben soll. Von großen, kommerziell erfolgreichen Hits, über Stücke, die Disco-Classics geworden sind, bis hin zu exklusiven Edits, die Levan produziert hat oder spontan in die DJ-Kabine reingereicht bekam. Wie diese Liste zusammengestellt wurde, wird allerdings nicht mitgeteilt. Hat das damals tatsächlich jemand dokumentiert?

10 Jahre lang war Larry Levan der Resident-DJ im Paradise Garage, dort, wo man nicht nur Wert auf die erstklassige Musik gelegt hat, sondern auch einen unglaublich hohen Aufwand mit der PA betrieben hat. Der Sound soll unglaublich klar und tight gewesen sein. Larry Levan starb 1992 mit nur 38 Jahren. Lesetipp auf Soulkombinat: Maestro – The Story of Underground Disco

Damit der Wahnsinn auch Methode hat, hier noch eine Spotify-Playlist mit über 900 Songs von dieser Liste.

Diese Liste kommt gerade passend zu einer neuen Dokumentation über Larry Levan und das Paradise Garage mit dem Namen “Larry’s Garage“. Sie wurde in diesem Jahr auf dem Amsterdam Dance Event (ADE) online gezeigt. Gedreht hat diesen Film der italienische DJ and Musikproduzent Corrado Rizza, der zufällig über ein unveröffentlichtes Interview mit Larry Levan aus den 80ern gestolpert war.

Der Film erzählt die Geschichte von Larry Levan anhand von Archivbildern und lässt über 40 Leute zu Wort kommen, die sich an die Hochzeit des Paradise Garage erinnern.

Larry’s Garage” kann übrigens auf Vimeo für 5,41€ für eine Woche digital “ausgeliehen” werden.

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Eine Disco wie ein Treppenlabyrinth: Diskothek Flash Back, 1972, Italien.


Gerade ist in der 3sat-Mediathek die Dokumentation “Radical Disco” zu sehen. Der informative Film erzählt die kurze, aber intensive Blütezeit der frühen Nachtclubs und Diskotheken in Italien, Deutschland, Spanien und New York. Während in den 60er Jahren noch die (unkommerzielle) Experimentierfreude von Künstlern und Architekten vorherrschte, begann man in den 70er Jahren, große Vergnügungstempel zu bauen. Dort setzte man die visuellen und gestalterischen Techniken der 60er Jahre ein und entwickelte sie weiter. Allerdings hauptsächlich für kommerzielle Zwecke.

Die Discotheken der 1960er und 1970er Jahre waren Gesamtkunstwerke und sie schufen Räume für intensive, multimediale Erfahrungen, die auch in den politischen Raum wirkten. Die Nachtclubs trugen entscheidend zur Emanzipation von Minderheiten, von Homosexuellen und Schwarzen bei. Die Gesellschaft in den 1960er Jahren befand sich im Umbruch, die Jugend revoltierte, brach mit alten Vorstellungen, ob es um Sex ging, Drogen oder Politik. Sie wollte raus aus dem Korsett gesellschaftlicher Normen und Dogmen, und sie wollte die freie Liebe. Die jungen Künstler*innen zog es raus aus den „toten Museen“, rein in das echte Leben. Die Architekt*innen ließen den strengen, humorlosen Funktionalismus, die spaßfreie Klötzchen-Architektur, den rechten Winkel hinter sich.

3sat
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Azimuth feat. Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad - Jazz Is Dead

Die brasilianische Fusion-Jazz-Combo Azymuth hat nach Jahren wieder ein neues Album aufgenommen. Hauptsächlich verantwortlich dafür waren die Produzenten Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad mit ihrem Projekt “Jazz Is Dead”.

Azymuth gilt als eine der wichtigsten Bands des Fusion-Jazz der 70er Jahre neben Larry Coryell, Weather Report, Miles Davis und anderen. Sie verstanden es früh, Funk, Jazz, Rock und brasilianische Rhythmen zu einer neuen Musik zu kombinieren. So verhalfen sie dem in die Jahre gekommenen, verstaubtem Jazz neues Leben einzuhauchen.

Zudem eröffnete dieses musikalische Update dem Jazz, neue, junge Hörer zu gewinnen. Azymuth war außerdem eine sehr gefragte Studio/Session-Band, die vielen Alben berühmter Musiker wie z. B. Marcos Valle, Erasmo Carlos, Jorge Ben, Tim Maia, Erasmo Carlos, Rita Lee und Hyldon Leben einhauchte. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich damit mal zu beschäftigen und dort reinzuhören.

In den 90er Jahren wiederentdeckt

Azymuth wurde Anfang der 90er Jahre von Produzenten Dancefloor-orientierter Clubmusik wiederentdeckt. Insbesondere in London in der aufblühenden Acid-Jazz-Szene wurde der Sound beliebt. Das ist in der Nachschau nur zu verständlich, war der Sound der meisten zu dieser Zeit aktuell produzierten Musik doch sehr kalt, maschinell und seelenlos, also noch ganz im Geiste der 80er Jahre. Azymuth war genau das Gegenteil. Hört man sich heute Aufnahmen von Flying Lotus, MF Doom, Madlip, Theo Parrish oder Jazzanova an, entdeckt man extrem viel Azymuth-Sound. Eigentlich in allen MPC-produzierten Hip-Hop Tracks der letzten Zeit.

Das neue Album der Reihe “Jazz Is Dead” verknüpft nun die Erfahrung junger, schwarzer Produzenten aus der Hip-Hop-Szene mit der Erfahrung und der Spielfreude der alten “Recken” Alex Malheiros (Bass), Ivan “Mamão” Conti (Schlagzeug) und Kiko Continentinho am Synthesizer, der den 2012 verstorbenen Gründungs-Keyboarder José Roberto Bertrami ersetzte.

Anzugtragende Produzenten komprimieren hippieeske Spielfreude

Herausgekommen ist eine (instrumentale) Platte, die wie ein lässiger Soundtrack daherkommt. Die Musik hat den Soul und Funk der 70er Jahre aufgesogen, atmet aber den Bossa Nova. Dabei ist die Musik viel mehr auf den Punkt gebracht und komprimiert als frühe Aufnahmen der Combo. Und das ist sicher das Verdienst der Produzenten Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad.

Lustigerweise sehen die auf den Bildern der Studiosessions genauso aus wie die in den 60er Jahren auf der Stelle tretenden, konservativen Jazzer, die die Hippies von Azymuth eigentlich hinter sich gelassen hatten: Schnieke Anzüge in Tweed, Weste, Krawatten und schwere Hemden, während die Band in lässigen T-Shirts daherkommt. Sie haben’s halt nicht mehr nötig.

Adrian Younge machte sich als Produzent einiger Alben im Retro-Sound der 70er Jahre (“Venice Dawn EP“, “Something about April“) und Soundtracks (“Black Dynamite“) einen Namen, danach produzierte er für viele Rap-Stars, u. a. Ghostface Killer, Bilal, Kendrick Lamar, Jay Z, Talib Kweli Tracks. So kam er auch mit Tribe Called Quests Ali Shaheed Muhammad in Kontakt, mit dem er den Score zur Netflix-Serie “Luke Cage” schrieb. 2018 entstand aus der Zusammenarbeit das Projekt “The Midnight Hour“, das ein Album hervorbrachte und auch eine gemeinsame Tour.

Die Platte mit Azymuth ist übrigens schon das vierte Album der Reihe “Jazz is Dead“: Bislang sind in diesem Jahr 2020 Alben mit Roy Ayers und Marcos Valle herausgekommen und eine Compilation. Aufnahmen mit dem Jazzer Dough Carn werden demnächst veröffentlicht. Übrigens: “Jazz is Dead” stammt von einer Schlagzeile des Downbeat-Magazins zum Tode von John Coltrane 1967: “Jazz as We Know It Is Dead”.

Alles Weitere auf der Bandcamp-Seite des Projekts Jazz is Dead.

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Star Trek: Acid Party

Star Trek: Acid Party. Worf lacht.

Wie würde es aussehen, wenn auf dem Star Trek Raumschiff Enterprise (Next Generation) eine Acid Party geschmissen wird?

YouTube-User und Star Trek-Fan Yoozer hat es sich vorgestellt und die fiktive, 40 minütige Episode Star Trek: Acid Party zusammengeschnitten, die es so nie gegeben hat. Dafür benutzt er Material aus den 178 Episoden der sieben Staffeln Star Trek: The Next Generation. Es gibt ein Wiedersehen mit allen Protagonisten der Serie, die leicht derangiert durch die Kulissen stolpern und recht verwirrt sind. Dazu verändert Yoozer die Bilder mit psychedelischen Effekten und Filtern, was teilweise auch gar nicht nötig ist, weil Next Generation genügend Bilder und Situationen aus den geistigen Zwischenwelten liefert.

Wie bei einem “echten” Trip durchleben wir gemeinsam mit der Crew die verschiedenen Phasen eines Acid-Rauschs: die visuellen Begleiterscheinungen von LSD, die Abgründe, sowie die euphorischen Phasen und die tiefgründigen, philosophischen Momente. Immer leicht verwirrt und schwer einzuordnen. Und sehr witzig. Und ja, den durchlaufenden Furz-Joke finde ich auch lustig.

Zudem hat mich besonders die Musik-Auswahl begeistert, bzw., wie das Editing gelungen ist: Das grenzt schon fast an Perfektion. Die Musik, die er verwendet, habe ich mal rausgesucht:
Pink Floyd – On The Run, Time, Eclipse, Comfortably Numb, Any Colour You Like, Echoes (live at Pompeii), Us And Them. Boards Of Canada – Over The Horizon Radar, Ataronchronon, In A Beautiful Place Out In There, Nothing Is Real. Dr. Dre – Still D.R.E.. Will Smith – Gettin’ Jiggy With It. Miles Davis – Pharaos Dance. Herbie Hancock – Spank-A-Lee. Rob Zombie – Dragula. Enya – Orinoco Flow. Nine Inch Nails – Closer. Autechre – Eutow, C/Pach. Enigma – Sadeness. Aphex Twin – Cow Cud Is A Twin, Start As You Mean To Go On, #18.

Viel Spaß!

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The Sleaford Mods feat. Billy Nomates - Mork n Mindy

Die Sleaford Mods veröffentlichen am 20.11. eine neue Single. “Mork n Mindy” heisst das Stück, erstmals mit einer Gastsängerin: Billy Nomates.

Mork n Mindy” hat einen düsteren, treibenden Beat und, obwohl mir der melodische Gesang von Sleaford Mods Sänger Jason Williamson auf “Eton Alive” sehr gefallen hat, wird es durch den Refrain-Gesang bzw. Rap von Billy Nomates aufgewertet. Zudem ist der Song radiotauglich ohne sich zu verraten. Ein Hit!

Mork n Mindy is the sound of the central heating and the dying smells of Sunday dinner in a house on an estate in 1982. Concrete, dinted garages, nicotine. Where beauty mainly exists in small cracks on the shell of your imagination.

Sleaford Mods

Im Webshop der Sleaford Mods kann die 7″-Vinyl-Single “Mork n Mindy/ Little Bits (Exttnnddntwrk)” in klarem Vinyl vorbestellt werden. Sie wird dann am 20.11.2020 ausgeliefert.

Billy Nomates mit Debüt-Platte

Billy Nomates (bürgerlicher Name Tor Maries) kommt – wie man es ihr anhören kann – ganz klar aus der Sleaford Mods-Schule. Sie hat gerade ihr Debüt-Album “Billy Nomates” auf Invada herausgebracht und die Single “No“. Auf dem Album-Track “Supermarket Sweep” sind auch die Sleaford Mods mit dabei. Sie sagt: “In a world of Yes Men, I’ll be a No Woman, thanks”.
Ich denke, man wird noch einiges von dieser stimmgewaltigen Frau hören.

Billy Nomates – No
Billy Nomates – FNP

Zudem kündigen Jason Williamson und Andrew Fearn ein neues Sleaford Mods-Album für Januar an: “Spare Ribs“. Das Cover-Design ist absolut großartig! Kompliment!

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Sammeln mal anders: Rare Philodendron Arten

Philodendron radiatum

In der “Szene” der Pflanzenfreunde werden absurde Preise für Grünpflanzen gezahlt. Derzeit voll im Trend Philodendron variegata.

Der Mensch ist fasziniert vom Besonderen, Einzigartigen und von dem, das niemand anderer besitzt. Die Einzigartigkeit des Objekts überträgt sich so auf den Sammler und ein erhabenes Gefühl stellt sich ein. Es gibt Leute, die sammeln Schallplatten. Oder Schlümpfe. Oder Kaffeekannen. Als ich von einem Freund letztes Jahr einen Ableger von seinem Philodendron (Philodendron radiatum, siehe Foto) bekommen habe, wusste ich noch nicht, dass bei Pflanzenliebhabern auch eine große Sammler-Szene existiert. Und die zahlen horrende Preise!

Monstera seit zwei Jahren im Trend

Kein Wunder, denn die Instagram-Influencer und Trendscouts rufen es schon länger von den Dächern: Die absolute Trendpflanze der letzten Jahre war die Monstera deliciosa (Fensterblatt), ein Philodendron mit imposanten Blättern, dazu pflegeleicht und schön. Monstera und Philodendron sind zwei Gattungen in der Familie Araceae (Aronstab), die beide in Mittel- und Südamerika verbreitet sind. Die Pflanze war schon in den 50er-Jahren sehr beliebt, geriet aber wegen 50er-Jahre-Mief in Verruf und anschließend in Vergessenheit. Heute ein absolutes Muss für eine trendige Inneneinrichtung.

Nachfrage größer als Angebot

Die Pflanzenindustrie kam der Nachfrage lange Zeit nicht hinterher, mittlerweile findet man aber in den Gartencentern die Monstera und viele andere Philodendren für einen schmalen Taler. Aber eben nicht alle. Insbesondere die weiß-gescheckten Arten (variegata) erfreuen sich gerade großer Beliebtheit: Ableger werden für 40€ aufwärts gehandelt. Und nicht selten werden Ableger besonderer Variegata-Philodendren (White Princess z. B.) für Preise von 70-80€ verkauft. Bei diesem Angebot werden 400€ (!) für einen 15cm großen Philodendron White Princess mit pinkem Blatt verlangt. Oder diese mickrige Pflanze der Anthurium warocqueanum The Queen soll 200€ kosten.

Auf eBay habe ich noch ganz andere Sachen gefunden:

Im Webshop von nelumbogarden.de kann man sich ein Bild über die Preise verschiedener Philodendren machen.

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Harley Davidson Serial 1 E-Bike. (Foto: Serial 1)

Das wird die Proud-Boys und alle Freunde des Verbrennungsmotors nicht besonders freuen: Der US-amerikanische Motorradbauer Harley Davidson macht jetzt auch in Elektro-Fahrräder.

Damit gerät für viele wohl ein Weltbild ins Wanken, denn ein Harley-Fahrer gilt als männlich, alt, weiß, und reaktionär. Doch anscheinend muss Harley Davidson handeln, um das Überleben der Traditionsmarke zu sichern. Der Anreiz auf dem stetig wachsenden Markt für E-Bikes (geschätzte 15 Mrd. Dollar in 2019) mitzuverdienen, ist einfach zu groß.

Marketing-Tricks

Um der treuen Harley-Community zu signalisieren, dass sie nun nicht zum “Alten Eisen” gehören, benutzt Harley Davidson zwei Marketing-Tricks:

  • Harley Davidson lagert die Produktion der Elektro-Fahrräder in das eigens gegründete Start-up Serial 1 Cycle Company aus.
  • Man spielt die Retro-Karte und beruft sich auf das erste Motorrad der Firmengeschichte, das Serial Number 1 aus dem Jahre 1905, das praktisch ein Fahrrad mit Verbrennungsmotor war.

Na klar, auf den ersten Blick mag das stimmen: schwarzer Rahmen, weiße, dicke Reifen, brauner Ledersattel und -griffe und der Schwung des Rahmens am Vorderreifen. Aber das ist nur Optik. Denn technisch (Rahmengeometrie, Gates-Riemen, Scheibenbremsen) stand anscheinend ein anderes Fahrrad Pate.

Abgekupfert?

Mich erinnert das Serial No.1 an das Design und die Technik der Budnitz-Bikes, insbesondere das Modell No.3 Honey-Edition, das vor ca. 10 Jahren auf den Markt kam. Kein Vorwurf, Kapitalismus Marktwirtschaft funktioniert durch Abkupfern, auch das Budnitz-Bike wurde nicht neu erfunden, sondern basiert auf dem schon bekannten Fahrradrahmen der Beach Cruiser. Und das Retro-Design war wahrscheinlich sogar von den ersten motorgetriebenen Fahrrädern inspiriert.

Trotzdem kann ich eine gewisse Genugtuung nicht verbergen, denn der Einstieg von Harley Davidson in den E-Bike-Markt bedeutet:

  1. Das Konzept des Verbrennungsmotors ist überdauert, wenn die Firma E-Bikes herstellt, die bisher diese veraltete Technik fast religiös anmutend überhöht hat.
  2. Auch das Konzept des Testostoron-gesteuerten, gewaltausübenden Neandertalers, der auf einem Verbrennungsmotor sitzt, ist hinfällig. “Mann sein” wird in Zukunft anders definiert werden. Die Nachkriegszeit ist seit 1990 vorbei!
  3. Rücksichtslosigkeit (Umwelt: Lärm, Abgase) ist den nachfolgenden Generationen nicht mehr vermittelbar.

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