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Ein Bekannter machte mich auf dieses historische Tondokument aufmerksam: Der Funkverkehr der Leipziger Polizei während eines Einsatzes bei einer Montagsdemonstration in Leipzig im September 1989. Das Original-Band stammt von der Stasi-Unterlagen-Behörde.

Montagsdemonstration Leipzig 16.10.1989
Leipzig, Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz).- Demonstranten bei Montagsdemonstration. Bundesarchiv, Bild 183-1990-0922-002 / Friedrich Gahlbeck / CC-BY-SA 3.0

Dieses Hörstück hat seine eigene Dramaturgie und benötigt keinerlei Kommentar. Auch wenn die Situation für die teilnehmenden Demonstrierenden ungewiss bis gefährlich war, zeigt es die Nervosität auch auf Seiten der Polizei.

Allerdings hat dieser Funkverkehr auch viel unfreiwilligen Humor. Erstens durch den sächsischen Dialekt (sorry) und zweitens durch das nervös-autoritäre Gebahren des Einsatzleiters. Über Obrigkeiten sollte man grundsätzlich lachen.

Aus den montäglichen Friedensgebeten in der Nikolaikirche entstanden, versammelten sich erstmals am 4. September 1989 mehrere hundert Demonstrierende zur Montagsdemonstration und zogen durch die Leipziger Innenstadt. Weil die westliche Presse anwesend war, kommt es noch nicht zu Verhaftungen. Aber schon zwei Wochen später werden bei einem Polizeieinsatz 89 Personen festgenommen und zu Haftstrafen und hohen Geldstrafen verurteilt. Am 25. September sind es schon 8.000 Menschen, die in einem Demonstrationszug auf dem Ring um die Leipziger Innenstadt ziehen. Der Rest ist Geschichte.

https://www.swr.de/swr2/wissen/archivradio/av-o1155516-100.html

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Jimi Hendrix live in Maui/Hawaii 1970

Es ist eigentlich unglaublich, dass 50 Jahre nach Jimi Hendrix’ Tod noch bedeutende Aufnahmen zu Tage gefördert werden: Das ist der Fall bei “The Jimi Hendrix Experience Live in Maui“, das am 30. Juli 1970, sechs Wochen vor seinem Tod am 18. September auf Hawaii aufgenommen wurde.

The Jimi Hendrix Experience mit Billy Cox und Mitch Mitchell live in Maui/Hawaii

Das Konzert zeigt die Jimi Hendrix Experience mit Billy Cox am Bass und Mitch Mitchell am Schlagzeug auf einem musikalischen Höhepunkt. Nach zwei Wochen Urlaub auf Hawaii und mit brandneuen Songs für das “Electric Ladyland“-Nachfolger-Album im Gepäck, strotzt das Trio vor Spielfreude. Auch Jimi Hendrix ist voll fit und gesund, was die Mär vom Drogen-Hippie vollkommen widerlegt.

Hendrix’ damaliger Manager Michael Jeffery organisierte für den kostspieligen Ausbau des Electric Ladyland Studios von Warner Bros. eine halbe Million Dollar als Vorschuss und überzeugte die Plattenfirma zusätzlich, ein Filmprojekt mit Namen “Rainbow Bridge” zu finanzieren. Er köderte die Warner Bros.-Leute mit der Veröffentlichung neuer Hendrix Songs auf dem Soundtrack und Live-Aufnahmen. Denn es war sowieso ein Konzert in Honolulu geplant, die Jimi Hendrix Experience war auf der Insel. Kurzerhand arrangierte man auf dem Hang des erloschenen Vulkans “Haleakala” auf kleiner Bühne ein “free concert” für den Nachmittag des 30. Juli, zu dem sich per Mundpropaganda einige hundert Zuhörer einfanden. 

Gedacht war “Rainbow Bridge” eigentlich als filmischer Hippie-Meilenstein nach Easy Rider, allerdings endeten die Filmarbeiten im Chaos. Es gab wohl noch nicht einmal ein Drehbuch, geschweige denn professionelle Schauspieler. Hinzu kamen noch technische Probleme bei den ursprünglichen Live-Aufnahmen, so dass Mitch Mitchell für den Film seine gesamten Schlagzeugparts neu einspielen musste. Der Film, im dem die Jimi Hendrix Experience nur schlappe 17 Minuten lang zu sehen ist, floppte.

Das “Soundtrack”-Album “Rainbow Bridge“, ein Jahr nach Hendrix’ Tod veröffentlich, wurde allerdings – meiner Meinung nach – ein Meilenstein: “Dolly Dagger“, “Earth Blues“, “Room Full of Mirrors“, aufgenommen im neuen Electric Ladyland Studio sind beste Beispiele für die funkige Neuausrichtung von Hendrix, absolute Knaller. Hier erklärt Soundengineer Eddie Kramer den Track “Dolly Dagger“:

Das einzigartige “Pali Gap“, das er ganz frisch im Sommer 1970 zusammen mit “Hey Baby (New Rising Sun)” aufgenommen hatte, zeigen den aktuellen Hendrix in voller Kraft und Vision. Dazu als Sahnehäubchen die absolut beste Version von “Hear My Train A Comin‘”, die im May 1970 in Berkeley live aufgenommen wurde. Auch dieser Track zeigt die wahnsinnige Entwicklung, die Hendrix in den nur vier Jahren seiner Solokarriere genommen hat.

Aber auf dem Soundtrack ist merkwürdigerweise kein Song vom Live-Konzert in Maui.

Ich denke, man wollte den Film schnell vergessen und noch fix ein paar Dollar mit einem (exzellenten) posthum veröffentlichten Album machen.

50 Jahre später ist das zweiteilige Konzert nun in ganzer Länge und Schönheit zu hören. Das Material wurde vollständig überarbeitet und neu abgemischt vom originalen Hendrix-Soundmann Eddie Kramer und gemastert von Bernie Grundman. Auch die Dokumentation “Music, Money, Madness … Jimi Hendrix In Maui” mit den 16mm-Originalaufnahmen aus mehreren Kameraperspektiven und Augenzeugenberichten hat man dazu gelegt.

CD 1
First Show:
Chuck Wein Introduction
Hey Baby (New Rising Sun)
In From The Storm
Foxey Lady
Hear My Train A-Comin’
Voodoo Child (Slight Return)
Fire
Purple Haze
Spanish Castle Magic
Lover Man
Message To Love 

CD 2:
Second Show:
Dolly Dagger
Villanova Junction
Ezy Ryder
Red House
Freedom
Jam Back At The House
Straight Ahead
Hey Baby (New Rising Sun)/Midnight Lightning
Stone Free

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Grünkohl

Noch ein Nachtrag zu meinem Artikel über Doro Wot und äthiopische Musik. Ich wurde gefragt, was ich denn als Beilage zu diesem Hühnertopf gegessen hätte. Da ich nicht so ein Brot-Fan bei warmen Hauptmahlzeiten bin, habe ich auf das traditionell dazu gereichte äthiopische Fladenbrot Injera verzichtet. Auch weil mir die Zubereitung etwas zu aufwändig war. Einfacherweise habe ich Reis dazu gekocht und Grünkohl Gomen Wot dazu gereicht und war begeistert!

Zutaten für Gomen Wot


  • 500g frischer oder gefrorener Grünkohl oder jeder andere Blattkohl (alternativ auch Spinat oder Mangold)
  • 2 Tassen Wasser
  • 1 Tasse gehackte Zwiebeln
  • 2 Esslöffel gehackter Ingwer
  • 2 Esslöffel Niter Kibbeh
  • 6-8 Knoblauchzehen, gehackt
  • 1 1/2 Tassen geschnittene grüne Paprika
  • 1 Esslöffel frischer Zitronensaft
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1/2 Teelöffel gemahlener Kurkuma
  • 1/2 Teelöffel Paprikapulver
  • 1/2 Teelöffel gemahlener Piment

Den Grünkohl grob hacken und mit zwei Tassen Wasser etwa 20 Minuten lang kochen. Danach Wasser abgießen und auffangen.

In einem Topf die Zwiebel mit dem gewürzten Butterschmalz Niter Kibbeh gold-braun anbraten, Knoblauch dazu, kurz weiterbraten und den Grünkohl, das Kochwasser und 1 Esslöffel Niter Kibbeh dazugeben, 10-20 Minuten kochen, bis das Wasser verkocht ist.

Kleingeschnittene Grüne Paprika, Zitronensaft, Salz, Kurkuma, Paprikapulver, Piment und den Ingwer dazugeben und kochen, bis die Paprika gar ist.

Rezepte bei Bonding24 und Daring Gourmet

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Nick Luscombe presents Tokyo Dreaming

Freunden von Fusion-Musik aus den 80ern und Cosmic-Fans sei die Doppel-LP “Tokyo Dreaming” empfohlen. Diese Zusammenstellung zeigt die digitale Studiotechnik der 80er Jahre in Japan auf einem Höhepunkt. Zu dieser Zeit boten die neuen digitalen Techniken ganz neue Möglichkeiten in der Musik-Produktion. Zudem konnten die Musiker auf den heißesten japanischen Scheiß bei Drum-Machines und Synthesizern zurückgreifen. So entstand ein merkwürdiger, kalter, aber auch schöner Zukunftssound in der Vergangenheit.

Auf dieser Zusammenstellung werden Electro, Synth-Pop, Funk, Ambient und Fusion-Jazz vermischt, mit dabei sind u. a. Stücke von Ryuichi Sakamoto, Mariah, Shigeo Sekito, Juicy Fruits, Hitomi “Penny” Tohyama und Yumi Murata.

Musikjournalist Nick Luscombe hat sich bei der Auswahl der Aufnahmen auf das japanische Columbia Label und sein Unterlabel Better Days beschränkt, viele Aufnahmen werden das erste Mal außerhalb Japans veröffentlicht und wurden von Columbia Japan neu remastered.

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Mulatu Astatke

Äthiopische Musik und ihre jazzigen Grooves der 70er Jahre sind längst bekannt, aber kennt ihr das Nationalgericht Doro Wot aus Äthiopien?

Letztens las ich einen Artikel über traditionelle und beliebte Gerichte verschiedener Länder, und das äthiopische Nationalgericht “Doro Wot“, ein speziell gewürzter Hühnertopf, war auch aufgelistet. Es wurde dort in höchsten Tönen gelobt, so nahm ich mir vor, Doro Wot nachzukochen, natürlich begleitet von äthiopischen Grooves!

Neben einigen Stücken von Mulatu Astatke ist “Ené Nègn Bay Manèsh” von Girma Beyene mein Lieblingslied aus Äthiopien. In den 90er Jahren hörte ich erstmals von diesen schweren, jazzigen Funk-Grooves aus Äthiopien – auf der 87er Compilation “It’s A Crammed, Crammed World! 2” vom belgischen Label Crammed Discs – und war geplättet von Mahmoud Ahmeds Track “Sidetegnash Negn“!

Um diese Musik (auf CD!) zu kaufen, musste man in den 90er Jahren in einen auf “Weltmusik” spezialisierten Plattenladen gehen. Das ganze originale Album Ere Ere Mela von 1975, das Crammed Discs in den 80ern von Mahmoud Ahmed als Reissue veröffentlichte, ist ein Hit:

Mittlerweile ist die Musik einigermaßen gut dokumentiert und das Gebiet von Sammlern gut abgegrast. Nicht ohne Grund: Die Musik ist so deep, funky und psychedelisch! Diese Musik tut der Seele gut!

Doro Wot: Berbere-Gewürz und viel Zeit

Doro Wot besteht hauptsächlich aus Zwiebeln, Huhn, gekochten Eiern und dem äthiopischen Gewürz “Berbere“, einer scharfen Mischung aus Cayennepfeffer, Ingwer, Zimt, Knoblauch, Gewürznelke, Koriandersaat, Piment, Bockshornklee, Kardamom, Kurkuma, schwarzem Pfeffer, Muskatnuss, Schwarzem Kümmel und weiteren eher unbekannten Pflanzen, wie Ajwan, oder Rue. Wer eine Gewürzmühle hat, kann Berbere auch selbst herstellen.

Man nehme:

  • 2 Teelöffel Koriandersamen
  • 1 Teelöffel Kreuzkümmel
  • 1/2 Teelöffel Bockshornkleesamen
  • 1 Teelöffel schwarze Pfefferkörner
  • 2 ganze Pimentbeeren
  • Samen von 4 grünen Kardamomkapseln
  • 4 Nelken
  • 5 getrocknete rote Chilis ohne Samen
  • 3 Esslöffel süßer Paprika
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1/4 Teelöffel Muskatnuss
  • 1/2 Teelöffel Ingwer
  • 1/4 Teelöffel Zimt
  • 1 Teelöffel Kurkuma

Rezept bei Daring Gourmet

Ich habe mir das Gewürz in dem kleinen, bestens sortierten Gewürzladen Kräuter-Mian in der Hochstraße 14a im Wedding besorgt. Da ich hörte, dass das Gewürz megascharf ist, habe ich mir bei Amazon eine milde Berbere-Mischung gekauft und kombiniere die beiden etwa 1:1, was für eine wunderbare und weniger brutale Schärfe sorgt. Berbere hatte ich auch am Gewürzstand von Charaf auf dem Markt am Maybachufer entdeckt, aber diese Mischung enthält 15% Salz.

Berbere mild und Berbere

Die geheime Zutat

Eine Zutat, ohne die ich Doro Wot nicht zubereitet hätte, ist Niter Kibbeh (Nitir qibe), eine gewürzte und geklärte Butter (Butterschmalz), die schnell und einfach gemacht ist und lange haltbar ist. Kann man immer gebrauchen.

Man nehme:

  • 500g ungesalzene Butter, gewürfelt
  • 1 Zwiebel
  • 3 Esslöffel gehackter frischer Knoblauch
  • 2 Esslöffel gehackter frischer Ingwer
  • 1 Zimtstange
  • 1 Teelöffel ganze schwarze Pfefferkörner
  • 3 schwarze Kardamomhülsen
  • 3 Nelken
  • 1 Teelöffel Bockshornkleesamen
  • 1 Teelöffel Koriandersamen
  • 1 Teelöffel getrockneter Oregano
  • 1/2 Teelöffel Kreuzkümmelsamen
  • 1/4 Teelöffel gemahlene Muskatnuss
  • 1/4 Teelöffel gemahlene Kurkuma
  • 1 Esslöffel Besobela
  • 1 Esslöffel Kosseret

Rezepte bei Daring Gourmet und Linsfood

Gewürze anrösten und dadurch Aromen aktivieren. Dann mit den anderen Zutaten in die heiße Butter geben und mindestens 30 Minuten bei geringer Hitze köcheln lassen. Anschließend durch ein Tuch geben.

Bei den Gewürzen sind drei Sachen nicht leicht zu finden: Schwarzen Kardamom bekam ich bei Kräuter-Mian, Kosseret und Besobela habe ich bei Elna-Gewürze entdeckt.

Niter Kibbeh

Doro Wot ist ein einfaches Rezept, wenn man die Zutaten zusammen hat, für die Zubereitung sollte man sich aber Zeit nehmen. Die Zwiebeln zuerst im Mixer sehr klein hacken und dann mit Niter Kibbeh auf kleiner Flamme zugedeckt 45 Minuten lang kochen. Hin und wieder umrühren. Knoblauch, Ingwer und etwas Butter dazu gegeben und weitere 20 Minuten kochen.

Berbere und Salz hinzufügen und weitere 30 Minuten köcheln lassen. Ich hatte mich für ein ganzen Huhn entschieden, es geteilt und die Teile eine halbe Stunde in Zitronensaft ziehen lassen. Das wurde wohl traditionell gemacht, um das frisch geschlachtete Huhn zu “entstinken”. Ist zwar nicht mehr nötig, aber das leichte Zitronenaroma gehört mittlerweile dazu. Kein Problem!

Das Huhn (die Karkasse habe ich auch auskochen lassen), weissen Wein mit Honig, Hühnerbrühe und Salz dazu geben. Weitere 45 Minuten kochen. Dann hart gekochte Eier dazugeben und abschließend nochmal 15 Minuten kochen. Abschmecken und fertig.

Doro Wot

Zutaten für Doro Wot:

  • 1 Huhn oder entsprechend Hühnerteile
  • 2 Esslöffel frischer Zitronensaft
  • 2 Esslöffel Niter Kibbeh
  • 2 Esslöffel Olivenöl extra
  • 1 große Zwiebeln, fein gehackt oder zu einem klobigen Püree in der Küchenmaschine verarbeitet
  • 2-3 Esslöffel Butter
  • 1 Esslöffel fein gehackter Knoblauch
  • 1 Esslöffel fein gehackter Ingwer
  • 4 Esslöffel Berbere
  • 1 1/2 Teelöffel Salz
  • 1 Glas Tej äthiopischer Honigwein, falls vorhanden, oder Weißwein gemischt mit 1 Teelöffel Honig
  • 1 Tasse Hühnerbrühe
  • 4 hart gekochte Eier, mit Gabel durchbohrt

Rezept bei Daring Gourmet.

Als Beilage eignen sich Reis und – als meine Empfehlung – Grünkohl auf äthiopische Art.

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