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"Das Siegesbanner über dem Reichstag" (Jewgeni Chaldey)
08. Mai 1945: “Das Siegesbanner über dem Reichstag” (Jewgeni Chaldey)

“Das Siegesbanner über dem Reichstag” ist der Titel von inszenierten Fotografien aus einer Fotoserie des sowjetischen Kriegsberichterstatters Jewgeni Chaldey, die auf dem Dach des Reichstag aufgenommen wurden. Die Fotos zeigen Soldaten der 8. Gardearmee: Alexej Kowaljow, Abdulhakim Ismailow und Leonid Goritschew.

Dieses Bild wurde nachkoloriert von Olga von Klimbim Colorization. Es gibt auf Flickr ein ganzes Album mit nachkolorierten Fotos zum 2. Weltkrieg, das ich empfehlen kann.

In Deutschland wird nicht gefeiert, und das ist traurig. Aber das liegt wohl daran, dass eine Mehrzahl der Deutschen nach dem Krieg diesen Tag als Niederlage begriffen hat und nicht als Tag der Befreiung vom Nazi-Regime. Das verwundert eigentlich nicht, weil ja eine Mehrheit der Deutschen Hitler und seinen Angriffskrieg tatkräftig unterstützte, und dabei nicht gezwungen wurde.

Die Sowjetunion verlor im Zweiten Weltkrieg 14,2 % ihrer Bevölkerung, insgesamt ca. 27.000.000 Tote, davon 14.000.000 Zivilisten. Während Deutschland über 5.000.000 Soldaten und 1.200.000 Zivilisten in den Tod schickte.

Kriegstote im Verhältnis zur Einwohnerzahl

LandIn % der
Bevölkerung
MilitärZivilGesamtEinwohner
Polen17,2 %300.0005.7 Mio.6 Mio. 34 Mio. (1938)
Sowjetunion14,2 %13 Mio.14 Mio.27 Mio.190.7 Mio. (1939)
Ungarn10,3 %360.000590.000950.000 9.2 Mio. (1939)
Deutschland9,2 %5.2 Mio.1.17 Mio.6.3 Mio. 69.3 Mio. (1939)
Japan5,2 %2 Mio.1.7 Mio.3.8 Mio. 72 Mio. (1940)
Niederlande2,5 %22.000198.000220.000 8.8 Mio. (1940)
Griechen-
land
2,5 %20.000160.000180.000 7.3 Mio. (1940)
Rumänien1,9 %378.000378.000 19.9 Mio. (1939)
Finnland1,2 %89.0002.70091.700 3.7 Mio. (1940)
Frankreich0,9 %210.000150.000360.000 41.5 Mio. (1939)
Belgien0,8 %10.00050.00060.000 ca. 8 Mio. (1940)
Groß-
britannien
0,7 %270.82562.000332.825 46 Mio. (1931)
Italien0,7 %240.00060.000300.000 43 Mio. (1940)
Tschecho-
slowakei
0,6 %20.00070.00090.000 14.7 Mio. (1930)
Bulgarien0,5 %32.00032.000 6.3 Mio. (1940)
USA0,3 %407.316407.316 132 Mio. (1940)


Quelle: Wikipedia (Zahlen gerundet)


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Hunter from Elsewhere. Dokumentarfilm über Schmuck Artist Helen Britton

Auf dem Dokumentarfilm-Festival DOK.fest München feiert der Film “Hunter From Elsewhere” über die Schmuck-Künstlerin/Artist Helen Britton Weltpremiere. Regie führte Elena Alvarez Lutz und die Musik dazu machte Niko Schabel, aka Radio Citizen. Darauf darf man auch gespannt sein.

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Der Trailer macht jedenfalls Lust, Helen Britton (Instagram) bei ihrer Suche und ihren Exkursionen zu begleiten und mehr über diese faszinierende Künstlerin zu erfahren. Sie hat den Blick für die Dinge und wie sie entstanden sind. Und für den Augenblick der wahren Empfindung, wenn sie etwas in den Händen hält. Da möchte ich sehr mal gerne einen Blick in ihre Sammlung werfen.

Das DOK.fest München hat gerade begonnen und dauert noch bis zum 23. Mai 2021. Für die Online-Vorstellungen der Filme können Tickets erworben werden.

Online-Vorstellung “Hunter From Elsewhere” und Tickets beim DOK.fest München

„The dead, the damned and the treasures, all in the same place, … the earth’s depth.” Aus der Tiefe gewinnt Helen Britton das Material für ihre „tragbare Kunst“ – schwerelose Metallketten, Regenwolken mit Jaspistropfen, filigrane Skulpturen. Aufgewachsen in Newcastle, New South Wales, einer Hochburg der Schwerindustrie, zieht es die Australierin in den 90er-Jahren nach München. Sie studiert bei Otto Künzli und entdeckt eine „exotische“ Welt. Neugierig auf die uralte Handwerkstradition bleibt sie doch auch der industriellen Faszination ihrer Kindheit treu. Im Film streifen wir durch ihre gigantischen Sammlungen, beobachten sie beim behutsamen Umgang mit ihren Fundstücken und dringen Schicht um Schicht zum Gravitationspunkt ihrer Arbeit vor: „What we hold in our hands are memories.“

Anne Thomé
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“2016 – My Generation” ist der erste eigene Track vom französischen Produzenten Mirwais seit fast zwanzig Jahren. Das fünf Jahre alte, aktuelle Video zeigt Systemkritik und Zorn, bleibt aber im Pop-Zeitgeist hängen.

Mirwais. Foto: Stéphane Sednaouï.
Popkultur: Mirwais mit Che Guevara-Anstecker. Madonna lässt grüßen. Foto: Stéphane Sednaouï.

Mirwais ist ein französischer Produzent, der bekannt wurde, weil er vier Platten von Popstar Madonna produzieren durfte; auch zwei eigene Alben hat er rausgebracht, das wichtigste im Jahr 2000 (“Production“). “Disco Science” (5,8 Mio. Streams auf Spotify) ist sein größter Hit, aber was ihn wohl endgültig saniert haben dürfte, war, dass Madonna diesen Track in dem Film-Hit Snatch – Schweine und Diamanten des Regisseurs Guy Ritchie, ihres damaligen Mannes, unterbringen konnte.

In seinem neuen Song “2016 – My Generation” klingt Mirwais nun wie die Chemical Brothers vor ein paar Jahren, 2016. Der Chor am Anfang ist etwas sehr lang, pathetisch und bedeutungsschwanger, mündet dann aber doch nach fast einer Minute in einen treibenden Bassgroove mit Synthesizer- und Talkbox/Vocoderflächen.

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Nichtsdestotrotz gefällt mir der Drive und die Sounds von “2016 – My Generation” recht gut. Auch wenn es – wie beabsichtigt – etwas abgehangen nach 2016 klingt und sehr nach “Pop-Produktions-Olymp”. Mirwais hat halt einige dicke Hits für Madonna geschraubt. Und er war der erste, der einen “Electro Track” mit Autotune-Vocals gemacht hat. Danke nochmal dafür. Nicht.

Hypnotische Rückfahrt durch eine Allee der (Ohn)Macht

Das Stück geht treibend nach vorne, doch im animierten Video zieht es einen hypnotisch aus der Szenerie heraus. Die Videosquenzen produzierte Ludovic Houplain/H5 nach der Idee von Mirwais: Der Film beginnt am Ende einer gesperrten Straße, und zeigt dann eine schnelle Rückwärtsfahrt auf einem Highway. Dieser ist links und rechts von unzähligen Machtsymbolen und Logos gesäumt. Auch auf den zahlreichen Brücken und Durchfahrten prangen die Zeichen. Es sollen um die 2000 in dem Video verteilt sein: Angefangen von Marken der Kunst und von Computer-, Internetkonzernen, über Politik und Religionen, bis hin zu Sex- und Pornobusiness und Finanzwesen. Das zeigt einerseits die Kapitalisierung von Ideen, andereseits die Inbesitznahme des öffentlichen Raums mit obzönen, aufdringlichen Werbetafeln und Logos: Seht her, diese Konzerne bestimmen euer Leben.

Rasantes Update vom Kurzfilm “Logorama”

Allerdings klammert das Video auch einige Bereiche/Symbole aus, wie Musikindustrie, Umweltorganisationen und Madonna. Sie hätte ich schon gerne dort am Straßenrand gesehen. Letztlich ist das Video ein rasendes Update von Houplains Oscar-prämierten Kurzfilm “Logorama” von 2000, in dem er den Marken-Wahnsinn auf die Spitze treibt:

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Mirwais habe die Idee zum My Generation-Video im Jahre 2016 gehabt, ich vermute nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA. Das ist auch im Video thematisiert, interessiert heute, 2021 allerdings kaum noch. Und zuletzt wurde der Breakdown wegen Pandemie verzögert, bzw. verschoben. Irgendwie nehme ich das dem Produzenten genauso wenig ab, wie ich Madonna ihre Mirwais-produzierte Che Guevara-Fashion-Phase bei American Life nicht ernst genommen habe.

Regisseur Huplain sieht den Film so:

“Although they show the same content, 2016—My Generation is the antithesis of A Clockwork Orange. Where Alex, the hero of Kubrick’s film, directly experienced a continuous flow of images as a torture, fifty years later it has become a leisurely activity.”

Ludovic Houplain

Doch 2016/17 muss der gute Mirwais schon sehr ärgerlich und dystopisch gewesen sein, denn der Film endet mit dem Niederbrennen der gesamten Szenerie. Gestern allerdings war er sich auf Facebook nicht mehr so sicher: “Is a matchbox really a solution against digital philistines? (I’m hesitating)”

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Jep Loy Nichols LP auf Timmion
Jeb Loy Nichols auf dem Cover seiner im Sommer erscheinenden LP “Jep Loy”

Der US-amerikanische Folksänger Jeb Loy Nichols war Mitglied der walisischen Band “Fellow Travellers“, mit denen er Anfang der 90er Jahre drei Alben aufnahm. Martin Harrison von On-U-Sound war dabei, dementsprechend war der Sound eine Mischung aus Country, Folk und Dub-Reggae. Das SPEX kürte die CD “Just A Visitor” von 1992 zur Platte des Jahres. Der Name “Fellow Travellers” stammt übrigens aus den USA der 1930er Jahre, so wurden die Sympathisanten und Weggefährten der Kommunistischen Partei bezeichnet. Dementsprechend waren die “Fellow Travellers” auch politisch ausgerichtet.

Seitdem ist Jeb Loy Nichols solo als Folksänger unterwegs, lebt inzwischen in Wales und ist nun beim finnischen Retro-Soul-Label Timmion gelandet, die Single “Can’t Cheat The Dance” wurde schon aufgenommen und veröffentlicht, das Album “Jeb Loy“erscheint am 11. Juli.

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