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Nicht nur als DJ ist Le Discoboulet unterwegs (Balearic Disorder-Mix), der Kenner und Auffinder oskurer Cosmic-Disco-Tracks betreibt zudem seit 2018 sein eigenes Label SchatziMusik. Am 15.02. veröffentlicht SchatziMusik eine unbekannte Cosmic-Perle: New Born – Galaxy. Und zwar ausschließlich auf einer 12″ Vinyl-Maxi, eine Super-Sound-Single. Das hat die Nummer verdient.

https://schatzimusik.bandcamp.com/album/new-born-galaxy

Aus Leidenschaft

Galaxy” ist mal wieder ein schönes Beispiel dafür, wieviel gute Musik doch außerhalb von Plattenfirmen und Labels gemacht und aufgenommen wurde. So auch bei New Born: Es handelt es sich um so eine (semi-)professionelle Band aus der schwäbisch-bayerischen Universitätsstadt Ulm. Die vier italienischen Einwanderer waren dort hauptsächlich mit traditioneller italienischer Musik unterwegs. Allerdings hatten sie einen Traum: eine eigene Single! Mit Musik, auf die sie selbst Bock hatten. Man weiß ja nie, eine echte Single macht sich gut bei einem Konzert. Auch sonst so. Vielleicht wird jemand aus der Szene aufmerksam.

München war weit weg, Plattenfirmen auch, so nahmen sie im örtlichen Studio “Musik Studio Schumacher” im Universum-Center in Ulm zwei Stücke für eine Single auf. Geholfen hat ihnen dabei als Produzent Corrado Motta, der sich wohl gut auskannte. Die Single wurde in kleiner, privat-finanzierter Auflage gepresst und unter die Leute gebracht, von denen man sich was erhoffte: DJs, Freunde, Promoter und Produzenten. Vielleicht wurden auch welche bei Konzerten verkauft.

Killer-Synthesizer Melodie

Auf “Galaxy” zeigen die Jungs ihre Liebe und Faszination für Discomusik und Synthesizer-Sounds. Einfach machen!, war die Devise, und dadurch bekommt die Aufnahme diese schöne Cosmic-Leichtigkeit. Verträumt beginnend, arbeitet sich ein Piano über einer straighten Disco-Rhythmusgruppe in den Track, das dann von diversen analogen Synthesizern und Keyboards abgelöst wird und in einer Killer-Synthesizer Melodie kulminiert. Herrlichster Cosmic!

Das Cover der Original-Single zeigt die vier Musiker, wie sie auf Eisenbahngleisen vor dem Stellwerk Ulm stehen. Sie stehen bereit – für alles was kommt. Vor allem aber für alles was geht.

Drei Mixe

Zusätzlich zum Original-Track gibt es noch drei remixte Versionen auf der Platte. Einen ausgezeichneten Edit von Le Discoboulet selbst, der die Nummer etwas beschleunigt und mehr auf den Punkt bringt. Zwei alte Camp-Cosmic Weggefährten steuerten zudem noch ihre Version des Stückes bei: Albion mit einer sehr schönen, heruntergekühlten Cosmic-Version, und Ottos Alexander Arpeggio verpasst dem Stück ein 80er-Jahre Outfit, das “Galaxy” sehr gut steht.

This record is a perfect example of what can happen when the drummer says “Let’s jam” to the musicians. The outstanding track “Galaxy” came out, the vibe of it is like an early piano house track and a hybrid of cosmic and disco.

The original copy of the record is nowadays a highly requested collector’s item, that skyrocketed in terms of prices. Originally released as a 45 single in 1981 the record was pressed in a very small run. Try to find a unicorn it’s easier.

We decided not to do only a simple reissue of it, we asked the creme de la creme of cosmic disco to make us a new born version of the track “Galaxy”. Camp Cosmic aficionados Albion & Alexander Arpeggio are responsible for two mesmerizing versions of this song. On top, we pressed the whole record as a 12″ from the original master tapes.

SchatziMusik@Bandcamp

Übrigens: Die erste Veröffentlichung von Anfang 2020 auf SchatziMusik ist auch noch erhältlich, natürlich eine LP, die unter dem Radar geblieben war: Trimolo – New Chapter, sehr luftiger “Balearic Jazz”.

The project of Trimolo was setup more or less in 1984. The group won a price at a band contest 1987 where they stepped up from a basement band to a highly asked live band in the upcoming years between 1987 and 1992. After winning the price they earned their first studio experience and the first two songs published on an LP – the Rock Feierwerk 1987 Sampler. The year after they released their Debut LP that is a master piece.

The sound of Trimolo is a melting pot of all 4 musicians that is not divisible from each other. All of them giving a unique sound that blends different styles together to one. Trimolo sometimes sounds like a jazz record but with influences that can sound like a caribbean or an oriental or a classical record.

The original press of the debut album is nowadays high in demand and a collectors item that has been sold recently for more than 200€. Back in the days it was pressed in a tiny number and was only sold on concerts around the bavarian capital munich.

SchatziMusik@Bandcamp
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Erobiques Neujahrskonzert 2021 feat. Das Bo
Erobiques Neujahrskonzert 2021 feat. Das Bo

Vor fünf Jahren hatte der Festsaal Kreuzberg die Idee (als er noch im Festsaal am Kotti war), Carsten Meyer, aka Erobique, am Neujahrsabend auftreten zu lassen. Das war so gut und erfolgreich, dass er sich breit schlagen ließ, von da an jedes Jahr nach Berlin zu kommen.

In diesem Jahr musste das (ausverkaufte) Konzert im Festsaal Kreuzberg Corona-bedingt ausfallen, so dass er seine Fans am Freitag zum nicht-öffentlichen Live-Stream laden musste. Mit dabei: Der Hamburger Laberkopp und Rapper Das Bo, der als Conferencier und Sidekick diente. Super: Gleich zu Beginn spielte Erobique eine Version von “Wann strahlst Du?“.

Launischer Künstler

Ich hatte ihn in den fünf Jahren zweimal an Neujahr gesehen – einmal 2017 im Festsaal an der Skalitzer Straße und 2018 am Flutgraben. Das waren schöne, stimmungsvolle Abende, obwohl ich den Eindruck hatte, dass er überhaupt keinen Bock hatte. Einmal ging ihm die Laune extrem in den Keller, als ein Rudel junger, betrunkener Studenten seinen Konzert-Hit “Urlaub in Italien” gröhlte, und er sie fast beleidigt zurechtwies. Danach war das Konzert gelaufen.

Carsten "Erobique" Meyer während des Neujahrskonzerts-Stream 2021. Im Hintergrund Das Bo.
Carsten “Erobique” Meyer während des Neujahrskonzert-Streams 2021. Im Hintergrund Das Bo.

Ein Jahr später im neuen Festsaal war ihm das Publikum völlig egal, denn er machte eine Live-Aufnahme, auch mit Kamera auf der Bühne. Er hatte sich an dem Abend nicht einmal persönlich an das Publikum gerichtet – obwohl ihn doch eigentlich etwas besonderes mit dieser Neujahrsveranstaltung verbinden musste. Doch, eines sagte er: Er forderte, als er zum Stück “Urlaub in Italien” ansetzte, dass nur die anwesenden Frauen singen. Wahrscheinlich, um seine Aufnahme nicht zu versauen, die er später als Single heraus brachte.

Bühne egal, einfach tanzen

Die Stimmung war im Publikum zehnmal besser als auf der Bühne. Das Konzert war technisch hervorragend, Erobique spielte konzentriert seine Nummern runter, und ich hatte den Eindruck, dass er das Publikum nur als Staffage brauchte. Es kam kein einziges persönliches Wort an das Berliner Publikum, das seit Jahren treu das Konzert ausverkauft hatte. Als wäre es nicht da. Eigentlich unmöglich, aber als Berliner ist man von Hamburgern ja einiges gewöhnt.

Ich habe daraus gelernt, dass es wahrscheinlich am besten ist, als Besucher eines Erobique-Konzerts sich nicht darum zu scheren, was auf der Bühne abgeht und sich stattdessen dem Publikum zuzuwenden: Einfach mit den um einen herum stehenden Leuten feiern und tanzen.

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Nach Dough Carn, Azymuth, Roy Ayers und Marcos Valle (Artikel auf Soulkombinat) haben die Produzenten Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad nun die Jazz-Saxophon-Größe Gary Bartz für Aufnahmen ihrer Reihe “Jazz is Dead” ins Studio gebeten.

Das Album erscheint am 02.04.2021, aber hier ist schonmal vorab der erste Track “Spiritual Ideation” aus der Aufnahmesession.

“Working with Gary Bartz epitomizes the ethos behind Jazz Is Dead. He’s a luminary that has contributed so much to music culture, for decades.  His musical ability is expanding with age and we’re honored to be a part of his world.”

Adrian Younge

Der Produzent Adrian Younge ist eng verbunden mit “Art don’t sleep“, einem Label und einer Künstler- und Veranstaltungsagentur aus Los Angeles. Alle seine Platten erscheinen dort. Im Sommer 2019 veranstalteten sie im Rahmen des “Black History Month” ein Konzert mit Gary Bartz:

Gary Bartz – sax, Theo Crocker – tr, Paul Cornish – p, key, Joshua Crumbly – b, Jonathan Pinson – dr


Gary Bartz ist einer der unterbewertesten Saxophonisten, dabei hat er auf höchsten Niveau mit den besten Musikern gespielt. An der “Befreiung” des Jazz in den 60er Jahren hat er maßgeblich mitgewirkt. Er war Mitglied der Miles Davis Band ab 1970 und ist auf dem 71er Album Live-Evil zu hören. Sehr zu empfehlen ist aber auch die 6-CD-Box “The Cellar Door Session 1970” aus dem Jahre 2005. Vorher hatte Bartz schon bei McCoy Tyner’s Expansion und mit Art Blakey und dem exzellenten Trompeter Woody Shaw gespielt. Anfang der 70er Jahre gründete er die Band NTU Troop, mit der er mehrere Platten für das Label Milesstone einspielte. Ende der Siebziger Jahre arbeitete er mit Norman Connors und Phyllis Hyman für einige Aufnahmen zusammen, was ihm die Tür zu weiteren Discoproduktionen öffnete. So entstanden Rare-Groove-Classics wie “Music is my Sanctuary“, das ihr unten hören könnt.

Die Platte mit Gary Bartz ist übrigens schon das sechste Album der Reihe “Jazz is Dead“: Bislang sind in diesem Jahr 2020 Alben mit Roy Ayers, Dough Carn, Azymuth und Marcos Valle herausgekommen und eine Compilation. Übrigens: “Jazz is Dead” stammt von einer Schlagzeile des Downbeat-Magazins zum Tode von John Coltrane 1967: “Jazz as We Know It Is Dead”.

Alles Weitere auf der Bandcamp-Seite des Projekts Jazz is Dead.

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Pünktlich zum Jahresende beamen uns The Chemical Brothers mit ihrem DJ Mix “Odd Bod Distress In The Area” nochmal in einen proppenvollen Club mit niedriger Decke und dichtem Sound. Man weiß ja noch, wie das mal war. Uns bleibt nur: Anlage aufdrehen! Spätestens an Silvester.

Der Mix ist sehr abwechslungsreich, das Acid scheint immer durch, genauso wie die Funk- und Hip Hop-Roots und der Breakbeat. Es gibt fette “Abfahr-Elemente” und spannungslösende Momente. Bambaataa, olle James Brown und Bootsy sind auch da. Der Mix endet fulminant mit einem Houseclassic. Perfekt! Populäre Musik auf höchstem Niveau!

“Merry Christmas and a Happy New Year from Chemical HQ! Tom and Ed have delivered an exclusive new mix for you to enjoy! Keep on Reaching <3 ” 

Chemical Brothers via Twitter

Download-Link: https://www.powrcdn.com/app_images%2Fresizable%2FXmas-dust-_e823b5f4_1608208126152.mp3

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Der Ambient-Trend erreicht Lidl

Es gibt mittlerweile nicht nur Socken, Turnschuhe oder T-Shirts von Lidl, sondern auch ein komplettes Album! Es wurde im letzten Jahr von Lidl-Schweden “released und trägt den Titel “Allt annat är olidligt” (“Alles andere ist unerträglich”), was dem Slogan der Werbekampagne von Lidl-Schweden entspricht.

Zu hören sind Geräusche und Sounds aus schwedischen Lidl-Supermärkten, man könnte das auch “Field-Recordings” oder Ambient nennen. Meistgehörter Titel ist übrigens “Blippar varor i kassan” (“Piepsen an der Kasse”) mit fast 31000 Abrufen, wie man auf Spotify sehen kann.

Die Frage ist: Wer sind die Menschen, die sich das angehört haben? Eingeschneite Schweden in tiefen, einsamen Wäldern? Ungenervte Schweden, die Synapsen-Stimulation benötigen? Altersheime? Ambient-Musikproduzenten? Die Werbeagentur? Wir?

Zu hören bei Spotify

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